Angesichts wirtschaftlicher und klimatischer Herausforderungen gewinnt Sorghum in der Tierernährung zunehmend an Bedeutung

Sorgul se impune în furajarea animalelor

 

Auf dem Europäischen Sorghum-Kongress im Oktober 2025 bestätigte der Workshop zum Thema Tierfutter einen grundlegenden Trend: Sorghum ist nicht mehr nur eine einfache Alternative, sondern eine glaubwürdige und strategische Lösung, um die aktuellen Herausforderungen in der Tierzucht- und haltung zu bewältigen. Wirtschaftliche Zwänge, ökologische Anforderungen und klimatische Unwägbarkeiten:  Die Beiträge der Experten verdeutlichten die zahlreichen Vorteile dieser in Europa noch unzureichend genutzten Kulturpflanze.

Ein besser verstandener und wettbewerbsfähiger Rohstoff

Der Workshop begann mit einer von Thierry Lecat (Advanta Seeds) vorgestellten SWOT-Analyse. Anschließend hielt Markus Wiltafsky-Martin (Evonik) einen Vortrag über die Zusammensetzung des Sorghumkorns und dessen Vorteile für die Fütterung von Monogastriern.

Die Parameter Stärke, Verdaulichkeit, Proteine und Aminosäureprofil wurden genau unter die Lupe genommen und mit Mais und Soja verglichen, wodurch die Besonderheiten von Sorghum besser dargestellt werden konnten. Was dabei besonders deutlich wurde: Es ist möglich den Nährwert von Sorghum zu optimieren – insbesondere durch eine Wärmebehandlung, die die Verdaulichkeit der Stärke verbessert.

Außerdem wurde ein weiteres Vorurteil widerlegt: Die Farbe des Korns ist kein verlässlicher Indikator für den Tanningehalt*.

Ein Rezepturtest zeigte über die ernährungsphysiologischen Aspekte hinaus, dass Sorghum in der Fütterung von Masthühnern eine Alternative zu Mais darstellt, wobei die wirtschaftliche Vorteile deutlich gemacht wurden.

Weiter zum Vortrag von Markus Wiltafsky-Martin  (Evonik).

*Die europäischen Hybridsorten von Körnersorghum sind seit über 30 Jahren  unabhängig von der Farbe ihrer Körner tanninfrei!

 

  

 

Ein ausgezeichnetes Mittel, um Kosten zu senken und den ökologischen Fußabdruck zu verringern

Dr. Orsolya Varga von Bonafarm zufolge erfüllt Sorghum alle Kriterien eines nachhaltigen Rohstoffs: Sorghum ist tolerant gegenüber Wasserstress, der Einsatz von Betriebsmitteln ist geringer, es verfügt über eine gute Klimaresilienz und leistet einen Beitrag zur Kohlenstoffbindung.

Die vorgestellten Versuche bestätigen diese Vorteile in der Praxis. In der Geflügelproduktion ermöglicht die Einbeziehung von Sorghum eine Senkung der Futterkosten bei Masthühnern um 2,5 Prozent pro Kilogramm Lebendgewicht.

Bei Enten wurden bei unterschiedlichen Beimischungsanteilen keine negativen Auswirkungen auf die Leistung beobachtet, . Sorghum erweist sich somit als effiziente Energiequelle für Monogastrier und kann Mais ohne technische Kompromisse ersetzen.

 

Weiter zum Vortrag von Orsolya Varga (Bonafarm).

 

Ausgezeichnete Leistungen in der Schweinezucht

Marcin Sońta (University of Life Sciences in Warschau) betonte, dass dies auch für die Schweineproduktion gilt.

Mit seiner Arbeit belegt er, dass Mais, Weizen oder Gerste in den Futterrationen vollständig durch Sorghum ersetzt werden können, was zusätzliche Vorteile bietet: eine Verbesserung der Schlachtkörperqualität sowie positive Auswirkungen auf die Darmgesundheit. Eine Substitution von bis zu 50 % scheint ein konkreter Ansatz zu sein, um die Nachhaltigkeit der Tierhaltung zu stärken, ohne die Leistung zu beeinträchtigen.

Weiter zum Vortrag von Marcin Sońta (Warsaw University of Life Sciences).

 

 

Eine für die Erwartungen des Marktes sensible Milchwirtschaft

Die beiden wichtigsten Herausforderungen im Parmigiano-Reggiano-Sektor sind die Kostenkontrolle und die Erfüllung der steigenden Nachhaltigkeitserwartungen.

Gabriele Gasbarrini (RV Venturoli) stellte die Ergebnisse zweier Studien vor, die belegen, dass die Einführung von Sorghum weder die Produktion noch die Qualität von Milch und Käse beeinträchtigt. Jedoch abgesehen von den technischen Leistungen steht vor allem die Wahrnehmung der Verbraucher im Mittelpunkt: Fast zwei Drittel von ihnen geben an, bereit zu sein, für ein Produkt aus einer nachhaltigen Lieferkette mehr zu bezahlen. Ein starkes Signal für die Akteure der Wertschöpfungskette.

Weiter zum Vortrag von Gabriele Gasbarrini (RV Venturoli).

 

Der Klimawandel verteilt die Karten neu

Die Auswirkungen des Klimawandels sind, wie Dr. István Kovács (KITE) betonte, in Ungarn bereits spürbar. Die Ausweitung der Risikogebiete für bestimmte Mais-Schädlinge sowie Ertragsschwankungen zwingen die Landwirte dazu, ihre Anbausysteme anzupassen.

In diesem Zusammenhang legt Sorghum an Bedeutung zu. Es ist widerstandsfähiger und weist zudem eine niedrigere Rentabilitätsschwelle auf als Mais – eine Entwicklung, die sich in den kommenden Jahren beschleunigen könnte.

Weiter zum Vortrag von István Kovács (KITE).

 

 

 

Eine sich im Wandel befindliche Wahrnehmung

Im Laufe der Beiträge zeichnet sich ein Konsens ab: Sorghum bietet eine Antwort auf die wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Tierhaltung.

Argumente, die für Sorghum sprechen: Kostensenkung, agronomische Robustheit sowie ein gute züchterische Leistung und Marktakzeptanz. Sorghum wurde lange als eine Nebenkultur betrachtet, hat sich jedoch zu einer echten Option für die Zukunft entwickelt. In einem sich rasch wandelnden landwirtschaftlichen Kontext, in dem die Reduzierung von CO2-Emissionen dringend notwendig ist, könnte seine Anpassungsfähigkeit den entscheidenden Unterschied ausmachen.

 


Die Experten des Tierfutter-Workshops während des Europäischen Sorghum-Kongresses.
(Oktober 2025)

 

Thierry Lecat | Verkaufsdirektor Westeuropa | Advanta seeds

Seit 1986 bei Cargill Seeds, Dekalb und Advanta, im Saatgutsektor tätig, wo er Positionen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Management innehatte. Verantwortlich für die Entwicklung des Sortiments von Advanta Seeds – Alta Seeds in Westeuropa.

 

 

 

Markus Wiltafsky-Martin  | Geschäftsführer | Evonik Industries

Dr. Markus Wiltafsky-Martin ist bei Evonik als Leiter des Bereichs Service Marketing für den Geschäftsbereich Tierfutter tätig. Seinen Abschluss in Agrarwissenschaften hat er an der Technischen Universität München gemacht. Markus ist seit 2009 bei Evonik tätig und verfügt über mehr als 16 Jahre Erfahrung in der Projektleitung mit Akteuren des Sektors „Tierproteine“, wobei sein Schwerpunkt auf der Bedeutung der Qualität von Futtermittelzutaten für die gesamte Branche lag. In den vergangenen 12 Jahren hat sich Markus intensiv mit der Bewertung der Qualität von Futtermittelzutaten und der Umwandlung analytischer Daten in nützliche Informationen für die Futtermittelindustrie mittels fortschrittlicher Datenanalysen beschäftigt.

 

Dr Orsolya Varga | R&D-Leiterin | Bonafarm-Bábolna Takarmány Kft.

Über 10 Jahre Berufserfahrung und Praxis im Bereich der Tierfütterung. Ein Großteil dieser Erfahrung habe ich bei einem der größten Futtermittelhersteller Ungarns, Bonafarm-Bábolna Takarmány Kft., gesammelt. Seit Beginn meiner Karriere bin ich im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Als Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Bonafarm-Bábolna Feed Ltd. bin ich für die Planung und Leitung von Futtermittelversuchen sowie für die Auswertung, Veröffentlichung und praktische Umsetzung der Ergebnisse verantwortlich. Mein beruflicher Werdegang wurde geprägt durch aktive Forschungen sowie Veröffentlichungen, und hier insbesondere im Bereich der Schweinefütterung.

 

 

Marcin Sońta | Dozent am Institut für Tierhaltung und Tierernährung | University of Life Sciences in Warschau

Dozent am Lehrstuhl für Tierhaltung und Tierernährung des Instituts für Tierwissenschaften der University of Life Sciences in Warschau. Seine Forschungsarbeit konzentriert sich vor allem auf die Suche nach alternativen Futtermitteln für die Tierernährung.

 

 

Gabriele Gasbarrini | Leiter der Abteilung Geschäftsentwicklung | RV Venturoli

Gabriele Gasbarrini vertritt die vierte Generation bei RV Venturoli, einem traditionsreichen italienischen Saatgutunternehmen, und ist als Leiter für Marketing und Produktentwicklung im In- und Ausland tätig.

 

 

 

István Dezső Kovács | Leiter der Abteilung für den Handel mit Agrarprodukten | Kite

 

 

 

 

 

 



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